Hartmut Richter zu Gast an unserer Schule

1971 wurde er aufgrund einer Amnestie aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen und konnte nun ohne rechtliche Folgen als Westbürger in die DDR reisen. Richter erklärte, dass es ihm fortan ein großes Anliegen war, Freunden und Bekannten zur Flucht nach Westdeutschland zu verhelfen. Das 1971 in Kraft getretene Transitabkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR erleichterte seine Tätigkeit als Fluchthelfer. So schleuste Hartmut Richter über 30 Menschen im Kofferraum seines Autos nach West-Berlin, bis er im März 1975 am Grenzübergang Drewitz von Grenzpolizisten kontrolliert wurde: Im Kofferraum lag seine eigene Schwester mit ihrem Freund; alle drei wurden verhaftet. Wieder brachte man ihn in das Untersuchungsgefängnis in Potsdam. 1976 wurde der damals 28-jährige Hartmut Richter zur Höchststraße von 15 Jahren Freiheitsentzug in Rummelsburg verurteilt. Seine Missbilligung gegenüber der SED-Diktatur gipfelte darin, als er im Gefängnis dreimal in Hungerstreik trat und Flugblätter schrieb: „Aus Protest gegen die ständigen Schikanen seiner Handlanger trete ich in einen unbefristeten Hungerstreik, Freiheit allen Fluchthelfern, Freiheit alles Ausreisewilligen, Freiheit allen politischen Gefangenen.“ Richter erklärte, dass er daraufhin zum Haftvollzug nach Bautzen II verlegt wurde und lange in Einzelhaft saß. Nichtsdestotrotz widersetzte er sich auch dort der Hausordnung und rebellierte weiter. 1980 kaufte ihn die Bundesrepublik frei, am 2. Oktober wurde er entlassen. So vergingen 90 Minuten wie im Flug und allen wurde bewusst, dass Geschichte unter die Haut geht.

Hartmut Richter engagiert sich heute als Zeitzeuge für die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Rena Herath

 Jeder an unserer Schule steht in Beziehung zu anderen.
Ganzheitliches Lernen ist unser Ziel und unsere Herausforderung.
Achtung vor Mensch und Umwelt qualifiziert uns.
Wir sind ein Teil der Lebenswelt vor Ort.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok